Bevölkerung und Infrastruktur im Wandel der Zeit

Monitor für Infrastrukturkosten im demografischen Wandel (MIW) in Niedersachsen.




Die Deutschen bekommen weniger Kinder. Das führt dazu, dass die Bevölkerung schrumpft und immer älter wird. Hinzu kommt, dass jüngere Leute aus ländlichen Regionen in die Städte abwandern. Man nennt das demografischen Wandel. Darunter leiden bereits jetzt viele Gemeinden.





Diese Entwicklung hat Folgen für die Infrastruktur der Gemeinden: In manchen Orten müssen Kindergärten oder Schulen geschlossen werden, weil kaum noch Kinder dort leben. Gleichzeitig brauchen ältere Menschen Betreuung, Fahrdienste und bequeme Wohn- und Einkaufsmöglichkeiten vor Ort, weil sie nicht mehr so mobil sind. Für die Gemeinden entstehen dadurch Kosten. Wie können die verantwortlichen Politiker damit umgehen?

Dieser interaktive Monitor zeigt für einzelne Gemeinden in Niedersachsen, wie sich die Bevölkerungsstruktur und die Kosten für die Infrastruktur verändern und hilft damit, Entscheidungen zu treffen.



Unter dem Menüpunkt ''Berechnungen'' kannst Du Dir für alle Kommunen in Niedersachsen einzeln und im Vergleich zueinander anzeigen lassen, wie sich die Bevölkerungsstrukturen und die Kosten für die vorhandenen Infrastrukturen entwickelt haben und in Zukunft entwickeln werden.

Und unter dem Menüpunkt ''Erläuterungen'' erklären wir, wie wir bei unseren Berechnungen vorgegangen sind. Das Impressum und der Kontakt zu uns findet sich ebenfalls dort.



Kommunen in Niedersachsen


Infrastrukturkosten pro Einwohner in Euro

Infrastrukturen

Auf dieser Karte werden die Kosten für die Infrastrukturen in den Verwaltungseinheiten Niedersachsens im Jahr 2033 dargestellt. Die Kosten werden pro Einwohner angezeigt. Eine Verwaltungseinheit ist eine Gemeinde, ein Zusammenschluss von Gemeinden (Samtgemeinde), eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt.

Infrastrukturen

Auf dieser Karte werden die Kosten für die Infrastrukturen in den Verwaltungseinheiten Niedersachsens im Jahr 2010 dargestellt. Die Kosten werden pro Einwohner angezeigt. Eine Verwaltungseinheit ist eine Gemeinde, ein Zusammenschluss von Gemeinden (Samtgemeinde), eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt.

Infrastrukturen

Auf dieser Karte werden die Kosten für die Infrastrukturen pro Verwaltungseinheit im Jahr 2010 mit den voraussichtlichen Kosten für die Infrastrukturen im Jahr 2033 ins Verhältnis gesetzt. Die Kosten werden wie bei den anderen beiden Karten pro Einwohner berechnet. In den grün angezeigten Verwaltungseinheiten werden die Kosten voraussichtlich sinken, in den orange und rot angezeigten Verwaltungseinheiten werden sie voraussichtlich ansteigen.


Bevölkerungsentwicklung und Wanderungen

Diese Abbildung zeigt, wie sich die Bevölkerung im Zeitraum von 1970 bis 2010 entwickelt hat. Aussagen zur zukünftigen Bevölkerungsentwicklung unterscheiden sich deutlich, je nachdem, ob Wanderungsbewegungen, also Zu- und Wegzüge, in den Berechnungen berücksichtigt werden. Für den Prognosezeitraum von 2012 bis 2033 zeigt die schwarze Linie die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung ohne Wanderungsbewegungen, die rote Linie die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung mit Wanderungsbewegungen.


Wanderungsbewegungen (als Saldo)

In dieser Abbildung werden die Zu- und Wegzüge im Zeitraum von 1970 bis 2010 zueinander ins Verhältnis gesetzt (Saldo). Für das Jahr 2010 liegen keine Daten vor (abgebrochene Linie). Für den Prognosezeitraum 2012 bis 2033 zeigen wir den voraussichtlichen Wanderungstrend.


Bevölkerungsentwicklung einzelner Altersgruppen

Wenn man die Bevölkerung nur als Ganzes betrachtet, lässt sich wenig darüber aussagen, wie sich ihre Altersstruktur verändert. Wenn man hingegen einzelne Altersgruppen betrachtet, werden die Veränderungen deutlicher. Diese Abbildung zeigt, wie sich die Bevölkerungszahl in einzelnen Altersgruppen verändert: Kleinkinder (0 - 5 Jahre), Schulzeit (6 - 18 Jahre), Erste Arbeitsphase (18 - 30 Jahre), Zweite Arbeitsphase (30 - 45 Jahre), Dritte Arbeitsphase (45 - 65 Jahre), Altersruhestand (ab 65 Jahre).




Niedersachsen - Einwohner 2033 zu 2010

Diese Karte zeigt, wie sich die Einwohnerzahl in den einzelnen Verwaltungseinheiten im Jahr 2033 im Verhältnis zum Jahr 2010 verändern wird. Voraussichtlich wird die Bevölkerung in ganz Niedersachsen schrumpfen. In den dunkelrot eingefärbten Verwaltungseinheiten (Gemeinde, Samtgemeinde, eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt) wird die Einwohnerzahl wahrscheinlich um bis zu 30 Prozent zurückgehen.

Niedersachsen - Einwohner 2033 zu 1990

Die Einwohnerzahl in den Verwaltungseinheiten (Gemeinde, Samtgemeinde, eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt) wird im Jahr 2033 voraussichtlich der Einwohnerzahl im Jahr 1990 entsprechen. Die Bevölkerung wird aber älter sein.

Niedersachsen - Einwohner 2010 zu 1990

Diese Karte zeigt, dass im Zeitraum zwischen 1990 und 2010 in vielen Verwaltungseinheiten (Gemeinde, Samtgemeinde, eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt) die Einwohnerzahl gestiegen ist. Dies gilt insbesondere für den Nordwesten Niedersachsens.


Ausgaben im Bereich soziale Infrastrukturen in tausend Euro

Soziale Infrastrukturen sind u.a. Einrichtungen für Bildung (z.B. Schulen, Universitäten), Kinderbetreuung (z.B. Kindergarten, Krippe, Hort), Kultur (z.B. Theater, Bibliothek), im Gesundheitssystem (z.B. Krankenhäuser, Rettungsdienste) oder auch Einrichtungen der öffentlichen Sicherheit (z.B. Polizeistationen).

Die Kosten für soziale Infrastrukturen innerhalb einer Kommune können in drei Bereiche aufgeteilt werden: die Kosten für den Unterhalt einer Einrichtung, die Personalkosten sowie die Kosten für Investitionen. Eine Investition in eine soziale Infrastruktur wäre z.B. der Ausbau eines Kindergartens oder eines Theaters.

Die Kosten für den Unterhalt, das Personal oder die Investitionen in eine Infrastruktur entwickeln sich sehr unterschiedlich:

Eine Investitionsentscheidung wie z.B. beim Ausbau eines Kindergartens führt zu einem deutlichen, aber zeitlich begrenzten Kostenanstieg im kommunalen Haushalt. In der Abbildung erkennt man das daran, dass die blaue Linie in bestimmten Jahren stark ansteigt und danach wieder absinkt. Die Personalkosten verändern sich hingegen nur auf Basis der Gehälter des aktuellen Personalbestands. Die Schwankungen in der grünen Linie fallen deswegen weniger stark aus.

Die Kosten für den Unterhalt einer bestehenden Infrastruktureinrichtung sind wiederum abhängig von den Ausgaben in den Vorjahren. Wenn z.B. eine Schule im Vorjahr renoviert wurde, kann dies dazu führen, dass die Kosten für den Unterhalt im Folgejahr niedriger ausfallen



Veränderung der Unterhaltskosten von 2033 zu 2010

Diese Karte zeigt, wie stark sich die Ausgaben für den Unterhalt von Infrastruktureinrichtungen in den einzelnen Verwaltungseinheiten (Gemeinde, Samtgemeinde, eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt) zwischen 2010 und 2033 voraussichtlich verändern werden. Die Veränderung der Kosten wird in Prozent angegeben. Die vielen dunkelroten Flächen zeigen, dass die Ausgaben für den Unterhalt in fast allen Verwaltungseinheiten stark ansteigen werden, in vielen Verwaltungseinheiten um mehr als 80 %.

Investitionsausgaben 2033 zu 2010 - Niedersachsen

Diese Karte zeigt, wie sich die Ausgaben für die Investitionen in Infrastruktureinrichtungen in den einzelnen Verwaltungseinheiten (Gemeinde, Samtgemeinde, eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt) voraussichtlich verändern werden. Wie bei der vorherigen Karte werden dafür die Ausgaben aus dem Jahr 2010 mit den prognostizierten Ausgaben im Jahr 2033 verglichen. Die Kostenveränderungen werden in Prozent angegeben. Die sehr unterschiedlich eingefärbten Flächen zeigen, dass die Ausgaben im Investitionsbereich zwischen den Verwaltungseinheiten stark variieren.

Personalausgaben 2033 zu 2010

Diese Karte zeigt, wie sich die Personalausgaben für die in Infrastruktureinrichtungen in den einzelnen Verwaltungseinheiten (Gemeinde, Samtgemeinde, eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt) zwischen 2010 und 2033 voraussichtlich verändern werden. Die Veränderung der Kosten wird in Prozent angegeben. Die Karte zeigt, dass die Personalkosten voraussichtlich in fast allen Verwaltungseinheiten ansteigen werden, aber deutlich weniger stark als die Unterhaltskosten.


Ausgaben im Bereich technische Infrastrukturen in tausend Euro

Zu den technischen Infrastrukturen einer Kommune gehören u.a. Einrichtungen der Energieversorgung, der Ver- und Entsorgung (z.B. Wasser, Abwasser) oder der Verkehrsinfrastruktur (z.B. Straßen, Radwege).

Die Kosten für technische Infrastrukturen innerhalb einer Kommune können in drei Bereiche aufgeteilt werden: die Kosten für den Unterhalt einer Einrichtung, die Personalkosten sowie die Kosten für Investitionen. Eine Investition in eine technische Infrastruktur wäre z.B. der Neu- oder Ausbau einer Straße oder eines Fahrradweges.

Die Kosten für den Unterhalt, das Personal oder die Investitionen in eine technische Infrastruktur entwickeln sich sehr unterschiedlich:

Eine Investitionsentscheidung wie z.B. zum Bau einer Umgehungsstraße führt zu einem deutlichen, aber zeitlich begrenzten Kostenanstieg im kommunalen Haushalt. In der Abbildung erkennt man das daran, dass die blaue Linie in bestimmten Jahren stark ansteigt und danach wieder absinkt.

Die Personalkosten verändern sich hingegen nur auf Basis der Gehälter des aktuellen Personalbestands. Die Schwankungen in der grünen Linie fallen deswegen weniger stark aus.

Die Kosten für den Unterhalt einer bestehenden Infrastruktureinrichtung sind wiederum abhängig von den Ausgaben in den Vorjahren. Je älter eine Straße ist, desto höher sind Unterhaltskosten, um sie weiterhin nutzen zu können.



Veränderung der Unterhaltskosten von 2033 zu 2010

Diese Karte zeigt, wie stark sich die Ausgaben für den Unterhalt von technischen Infrastruktureinrichtungen in den einzelnen Verwaltungseinheiten (Gemeinde, Samtgemeinde, eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt) zwischen 2010 und 2033 voraussichtlich verändern werden. Die Veränderung der Kosten wird in Prozent angegeben. Die vielen dunkelroten Flächen zeigen, dass in fast allen Verwaltungseinheiten die Ausgaben für den Unterhalt stark ansteigen werden, in vielen Verwaltungseinheiten um mehr als 80 %.

Investitionsausgaben 2033 zu 2010

Diese Karte zeigt, wie sich die Ausgaben für die Investitionen in soziale Infrastruktureinrichtungen in den einzelnen Verwaltungseinheiten (Gemeinde, Samtgemeinde, eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt) voraussichtlich verändern werden. Wie bei der vorherigen Karte werden dafür die Ausgaben aus dem Jahr 2010 mit den prognostizierten Ausgaben im Jahr 2033 verglichen. Die Kostenveränderungen werden in Prozent angegeben. Die sehr unterschiedlich eingefärbten Flächen zeigen, dass die Ausgaben im Investitionsbereich zwischen den Verwaltungseinheiten stark variieren.

Personalausgaben 2033 zu 2010

Diese Karte zeigt, wie sich die Personalausgaben für die technischen Infrastruktureinrichtungen in den einzelnen Verwaltungseinheiten (Gemeinde, Samtgemeinde, eine kreisfreie Stadt oder eine kreisangehörige Stadt) zwischen 2010 und 2033 voraussichtlich verändern werden. Die Veränderung der Kosten wird in Prozent angegeben. Die Karte zeigt, dass die Personalkosten voraussichtlich in fast allen Verwaltungseinheiten ansteigen werden, aber deutlich weniger stark als die Unterhaltskosten.

Erläuterungen


Unter Infrastruktur werden die langlebigen Einrichtungen verstanden, die von einer Gemeinde für ihre Einwohner bereitgestellt werden. Dies sind zum Beispiel öffentliche Straßen, öffentliche Gebäude, Brücken und die Kanalisation. Daneben gibt es noch die institutionelle Infrastruktur, wie z.B. die Rechtsordnung oder das Bildungswesen.

Als Kosten der Infrastruktur werden die Ausgaben einer Gemeinde aus ihren eigenen Haushaltsmitteln für ihre Infrastruktur verstanden.

Unter dem demografischen Wandel wird die Veränderung der Bevölkerungsstruktur der Einwohner einer Gemeinde im Zeitverlauf verstanden. Der Begriff beschreibt die Veränderungen im mengenmäßigen Verhältnis von Männern und Frauen, dem Verhältnis von Geburten und Sterbefällen, den Zu- und Fortzügen sowie den Anteilen von Deutschen, Ausländern und Eingebürgerten an der Bevölkerung über mehrere Jahre.

Im Jahr 2000 benötigt ein dann 5-Jähriger Einwohner eine andere Infrastruktur (Kindergarten) als im Jahr 2010 (Schule) oder im Jahr 2030 (Arbeit). Diese Änderungen im Infrastrukturbedürfnis wären bei immer gleich großen Kohorten (alle Personen in einem bestimmten Alter in einem Jahr) unverändert. In Realität verändern sich aber die Kohortengrößen, so dass die vorhandenen Infrastrukturen im Zeitverlauf unterschiedlich ausgelastet sind. Beispielsweise sinkt der Anteil an Geburten und Zuzügen von Personen unter 5 Jahren, weshalb bei Einschulung weniger Klassen als früher benötigt werden

Die Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL), Leibniz-Forum für Raumwissenschaften, erforscht räumliche Strukturen und Entwicklungen, ihre Ursachen und Wirkungen sowie ihre politisch-planerischen Steuerungsmöglichkeiten. Die Universität Göttingen mit der Professur für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung ist interessiert am wissenschaftlichen Diskurs über die Veränderungen durch den demografischen Wandel. Der Demografische Wandel verändert räumliche Strukturen. Mit dem Monitor soll Entscheidungsträgern (Politik und Verwaltung) in Niedersachsen eine Hilfestellung für künftige Entscheidungen an die Hand gegeben werden.

Das Projekt wurde durch das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen der Forschungsförderung Pro*Niedersachsen von 2010 bis 2014 gefördert. Der Fokus lag auf dem Bundesland Niedersachsen. Einbezogen wurden rund 1.000 niedersächische Gemeinden in ca. 460 Verwaltungseinheiten. Eine Übertragbarkeit auf andere Regionen und Bundesländer ist durch die offene Bereitstellung der Plattformstruktur prinzipiell möglich.


Infrastrukturen verursachen Kosten

  • zum Zeitpunkt ihrer Erstellung,
  • während ihrer gesamten Nutzungsdauer, sowie
  • durch ihre Erneuerung oder Aufgabe.

Die Ermittlung der Höhe der Kosten ist komplex und je nach Art der Infrastruktur (technisch oder sozial) unterschiedlich. Für Kommunen ist das Wissen um diese Kosten und deren mittel- bis langfristige Entwicklung jedoch extrem wichtig, da sie so frühzeitig ihre Bedarfsplanungen anpassen können.

In Niedersachsen gibt es zurzeit (Stand 2014) kein zentrales Register, aus dem für jede einzelne bestehende Infrastruktureinrichtung Informationen zu den Kosten ihrer Erstellung und den Kosten für ihren Unterhalt gesammelt und bereitgestellt werden. Ein solches Register würde es ermöglichen, die Infrastrukturkosten für jede Einrichtung einzeln zu bestimmen (Individualansatz).

Eine Alternative zum Individualansatz könnte es sein, jedem Infrastrukturtyp pauschalisierte Kosten zu zuweisen. Zum Beispiel könnte überlegt werden: Wie viel Euro kostet

  • ein Kilometer Landstraße?
  • ein Quadratmeter Gebäudegrundfläche eines Schwimmbad?

Das hieße, man würde für jede einzelne kommunale Gebietskörperschaft (Gemeinde, Samtgemeinde, kreisangehörige und kreisfreie Stadt) von gleichen Kosten für jede Infrastruktur gleichen Typs ausgehen. Eine Differenzierung, durch unterschiedliche Ausstattungsmerkmale oder durch unterschiedliche örtliche Gegebenheiten, wäre so nicht möglich. Würde man also annehmen, dass ein Kilometer Straße in Niedersachsen überall gleich viel kostet, würde man vernachlässigen, dass ein Kilometer Straße in Nähe des Wattenmeers niedrigere Kosten als ein Kilometer Straße durch den Harz verursacht.

Unter der Annahme gleicher Kosten wäre eine Einzelbetrachtung der bisherigen und künftigen Entwicklung der Kosten je nach Kommune überflüssig. Ein Ansatz zur Prognose der Infrastrukturausgaben von Bestandsinfrastrukturen über eine pauschalisierte Kostenzuweisung (gleiche Ausgaben pro Einheit) erschien daher ebenfalls als ungeeignet.

Um die tatsächlichen Infrastrukturkosten einer Verwaltungseinheit zu bestimmen, können die tatsächlichen Ausgaben für diese Infrastrukturen aus den Haushaltsinformationen der Kommunen genutzt werden. Dabei wird plausibel angenommen, dass die Kommune

  • die tatsächlichen Erstellungskosten der Infrastruktur (anteilig) trägt,
  • für den Unterhalt der Infrastruktur über einen bestimmten Zeitraum zuständig ist,
  • für den Unterhalt der Infrastruktur jährlich Ausgaben tätigt und
  • im Rahmen ihrer Budgetrestriktion optimiert ihre bestehenden Infrastrukturen pflegt.

Unter diesen Annahmen können die Finanzhaushalte von kommunalen Gebietskörperschaften ein Indikator für die tatsächlichen bisherigen Infrastrukturausgaben sein. Damit existiert eine ausreichende Datenbasis für eine Vorausberechnung künftiger Infrastrukturkosten.

Die Finanzhaushaltsdaten für niedersächsische Kommunen wurden vom Landesamt für Statistik Niedersachsen bereitgestellt. Dabei wurde darauf geachtet, dass:

  • eine datenschutzkonforme Ausweisung erfolgt,
  • die Vergleichbarkeit zwischen den Kommunen gewährleistet ist (durch den vereinheitlichten Produkt- und Kontenrahmen) und
  • eine einheitliche Zuordnungsrahmen existiert (dieser reicht in Niedersachsen bis 1990 zurück).

Auf diese Weise konnten aus den Finanzhaushaltsdaten ein Gesamtdatensatz für Infrastrukturausgaben generieret werden, der die grafische Darstellung und eine Vorausberechnung ermöglicht hat.

Alle Ausgabenwerte in EUR basieren auf dem Jahr 2010. Dies dient der Vereinheitlichung und zur Inflationsbereinigung.

Basierend auf dem Datenbestand boten sich neben der einfachen deskriptiven Auswertung vergangener Werte für jede kommunale Gebietskörperschaft zunächst unterschiedliche statistische Modelle für die Vorausberechnung an.

Nach einem ersten Blick auf den Datenbestand schien es sinnvoll, die Finanzhaushaltsdaten nach Art der Infrastruktur aufzuteilen. Gründe dafür sind die Unterschiede zwischen den Infrastrukturen, z.B.:

  • schwanken die Ausgaben für Personal nicht jedes Jahr (Rigiditäten: bestehende Arbeitsverträge lassen sich nicht einfach so kurzfristig anpassen).
  • die Ausgaben für Neuinvestitionen können durchaus stark schwanken (Planungsvorlauf benötigt ggfs. mehrere Jahre vor der Umsetzung; unterschiedlich warme bzw. kalte Winter).

Aufgrund dieser wesentlichen Unterschiede wurde sowohl für soziale wie auch für technische Infrastrukturen jeweils eine Vorausberechnung für

  • Ausgaben für Personal
  • Ausgaben für Unterhalt
  • Ausgaben für Investitionen

durchgeführt.

Auf Grund ihrer Komplexität und der jeweils notwendigen Einzelfallanpassungen führten ARIMA (Auto-Regressive Integrated Moving Average) Modelle sowie Microsimulationen zu keinen zufriedenstellenden Ergebnissen. Ebenso konnten Regressionsmodelle keine aussagekräftigen Ergebnisse für eine Vorausberechnung liefern.

Als aussagekräftig haben sich jedoch Trendmodelle erwiesen, welche, abhängig von der Art der Ausgaben, mit oder ohne Bandbreitenanker berechnet werden. Folgende Vorausberechnungen wurden durchgeführt:

  • Ausgaben für Personal: Zufallsbewegung basierend auf den letzten Trendinformationen (Random Walk Forecast),
  • Ausgaben für Unterhalt: Zufallsbewegung basierend auf Trend und langfristigem Trendanker (Random Walk Forecast with Drift),
  • Ausgaben für Investitionen: Durchschnittsbetrachtung des gesamten Zeitraums (Mean Forecast).

Aus den bisherigen Ausgaben einer einzelnen Verwaltungseinheit können ihre künftigen Ausgaben für Infrastrukturen vorhergesagt werden.

Zudem sind die unterschiedlichen Bereiche der sozialen und technischen Infrastruktur getrennt nach Personal, Unterhalt und Investition aufgeschlüsselt.

Die Darstellung der Infrastrukturkosten umfasst die bisherige Entwicklung (deskriptiv) und eine Vorausberechnung für den Zeitraum bis zum Jahr 2033.

Durch die einheitliche Verwendung der Methodik lassen sich Vergleiche zwischen den kommunalen Gebietskörperschaften erstellen.


Das Landesamt für Statistik Niedersachsen bereitet als zentrale Stelle die Daten der Kommunen datenschutzkonform statisch auf.

Im Datenportal können die einzelnen Datenreihen zusammengestellt und abgerufen werden.

Die aufbereiteten Daten sind seit Dezember 2014 als Download-Link über die Projektseite verfügbar. Bitte beachten Sie hierbei die Ursprungslizenz seitens des Landesamtes für Statistik Niedersachsen.

Die Ergebnisse des Projektes werden als Bericht erstellt und nach Freigabe des Projektträgers veröffentlicht. Die Einzelgrafiken können schon jetzt per Grafikdownload im Browser (per Rechtsklick auf die Grafik) gespeichert werden.

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